what if ... !?

  • unser Universum
  • Schmetterlingseffekt
  • zwei Arkana
  • Wort mit fünf Buchstaben
  • was ich bin und was ich tue

unser Universum

Wenn ich etwas sagen könnte; wenn ich ein paar Worte äußern dürfte; wenn es mir tatsächlich möglich wäre, anderen etwas mitzuteilen und tatsächlich vernommen zu werden, vielleicht sogar verstanden; wenn ich herauszufinden versuche, wer ich bin; wenn ich begreife, dass ich dreißig Jahre ein Teil dieser Welt bin, dass mein ruheloser Geist und mein müder Körper dreißig Jahre ein Ganzes bilden, dass meine Seele dreißig Jahre auf der Suche ist; wenn ich verstehe, dass ich alles beeinflussen aber nichts verändern kann, dass ich eigentlich kaum die Gegenwart genieße, dass ich zu sehr an der Vergangenheit hänge, dass ich zu viel für die Zukunft plane, dass ich das Hier und Jetzt voll auskosten sollte; wenn mir klar wird, dass ich manchmal falsch handle, dass ich meine Fehler akzeptieren muss, dass ich meine Talente schätzen kann, dass es mir möglich ist zu helfen; wenn mich überkommt, dass ich meine eigene Geschichte kreiere, dass meine Wünsche wahr werden, dass der dunkelste Moment nur ein Wendepunkt ist, dass auch das hellste Ziel bloß den Weg darstellt, dass ich im Schicksal verwoben bin; wenn ich gleichzeitig lachend und weinend Zeichen für Zeichen erschaffe; wenn ich für die gewaltigsten Veränderungen dankbar bin und um die unbedeutendsten Dinge bitte; wenn ich in der Lage wäre, eine Botschaft in die Welt zu setzen; wenn ich tatsächlich ein paar Worte äußern dürfte, wenn ich wirklich etwas sagen könnte ... dann würde ich schweigen – ich würde die Unendlichkeit umarmen, meinen ganzen Schmerz sowie meine ganze Freude in meine Stille legen, und ich würde warten; warten, weil ich verstehen will, was mein Herz mir zuflüstert; weil ich wissen will, was das Universum weiß.


Schmetterlingseffekt

Einige mögen vielleicht wissen, dass die Theorie des Schmetterlingseffekts besagt, der Flügelschlag eines Schmetterlings könne einen Sturm auslösen. Obwohl die Chaosforschung durchaus ein Teilgebiet der Wissenschaft ist, kann das Beispiel des Schmetterlings nicht wortwörtlich genommen werden. Große fatale Auswirkungen können kleine banale Ursachen haben. Aber ein so zartes und verletzliches Geschöpf besitzt doch kaum die Macht, die Umwelt auf eine solche Weise zu beeinflussen. Und was, wenn doch? Was, wenn eine kaum wahrnehmbare Aktion eine unermesslich gewaltige Folge nach sich zieht? Möglicherweise steckt im Chaos sehr viel mehr Ordnung, als wir denken.

Farben. Zeichen. Immer dieselbe Handbewegung. Papier und Plastik. Wieder und wieder und wieder. Bald ist das Fach aufgefüllt, doch das nächste Loch hat sich bereits aufgetan. In den Handschuhen können meine Finger das Material nicht ertasten, aber das Gewicht lastet stark auf ihnen. Kekse und Bonbons, Zucker und Mehl, Reis und Nudeln, Tee und Kaffee, stets dieselben Sachen. Es ist eine nie enden wollende Tätigkeit, eine Aufgabe ohne Ziel.

Ich frage mich, ob es einen Sinn hat. Wie so oft kann ich mich nicht auf die Gegenwart konzentrieren, und die Gedanken prasseln nur so auf mich ein. Trägt diese Arbeit zum Gemeinwohl bei? Hat das, was ich tue, einen Nutzen? Wenn ich nicht wäre, würde ein Kunde möglicherweise sein Lieblingsgetränk nicht bekommen oder einen Tag ohne Milch auskommen müssen. Allerdings wäre ich innerhalb einer Woche ersetzt. Denn selbst ein Kind könnte diese Art von Arbeit verrichten.

Müde gehe ich nach Hause, an einen Platz, den ich nicht als Heimat bezeichne. Während ich einen Fuß vor den anderen setze und den Weg zurücklege, spielen sich in meinem Kopf noch einmal die Ereignisse der letzten Tage ab. Hauptsächlich handelt es sich um unbedeutende Erinnerungen wie etwa das monotone Einsortieren der Waren. Da sind aber auch diese fast schon wunderbaren Momente, welche von meinem Gedächtnis einfach zu wenig geschätzt werden.

Habe ich nicht einer Person geholfen, indem ich ihr etwas geholt habe? Habe ich eine Person denn nicht sogar zum Lächeln gebracht, indem ich mich für ihre Kunst interessiert habe? Habe ich mit einer Person nicht Freundschaft geschlossen, indem ich mich dafür bedankt habe, was sie für mich getan hat? Habe ich nicht das Herz einer Person berührt, indem ich ihr gesagt habe, wie unvergleichbar schön ihre Augen auf mich wirken?

Vielleicht sind es nicht die Dinge, mit denen wir uns identifizieren. Körper, Arbeit, Heimat, bloß Konstrukte des Egos. Vielleicht sind die kaum merklichen Taten viel wichtiger. Jemandem zu helfen. Oder zum Lächeln zu bringen. Versuchen, immer für Freunde da zu sein. Zu lieben. Dies sind jene winzigen Aktionen, welche gigantische Folgen nach sich ziehen. Voller unglaublicher Wunder. Sei selbst das Licht, das du in dieser Welt suchst. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.


zwei Arkana

Langsam aber unaufhaltsam kroch der Nebel von den Hügeln ins Tal, und auf seinem Weg verschluckte er nicht nur ganze Wälder, sondern ließ auch die Vögel verstummen. Der erbitterte Kampf der beiden Arkana hatte schon vor Morgengrauen begonnen und dauerte noch immer an.

Mit einem mächtigen Schwerthieb ließ Artus seinen Gegner wanken. Die gewaltige Waffe lag schwer in seinen Händen, doch er wusste mit ihr umzugehen. Sein muskulöser Körper steckte in einer prächtigen Rüstung, welche seine Feinde vor Ehrfurcht erzittern ließ.

Durch das Schwingen des Stabes konnte Merlin seinen Feind zurückstoßen. Eine tobende Säule aus eiskalten Flammen brach aus seinem magischen Werkzeug hervor. In der leichten und mit merkwürdigen Symbolen bemalten Robe konnte er taktisch vorgehen.

Selbst als der Nebel in dieser Ruinenstadt ankam, wurde der Kampf nicht abgebrochen. Mittlerweile hatte sich der blühende Garten in ein Schlachtfeld verwandelt, auf dem abgeschlagene Köpfe und Monsterfänge zu finden waren. Eine winzige Biene gestattete es sich, auf einer von Tau bedeckten Rose Platz zu nehmen, wurde jedoch sofort wieder aufgescheucht. Durch die stickige Luft hallten Schreie, und das Keuchen der Kontrahenten wurde immer intensiver.

Zunächst beschwor Merlin eine Wand aus gigantischen Felsen, dann nutzte er die Auszeit, um sich auf einen besonderen magischen Spruch vorzubereiten. Plötzlich spürte er ein Beben und musste sich flach auf den Boden werfen. Wie erwartet hatte Artus sein Schwert mit voller Gewalt durch die Felswand getrieben und sie zum Einsturz gebracht. Nun setzte er nach und ließ seine Klinge durch die Luft tanzen. Doch auch Merlin wusste sich zu wehren. Während er rückwärts stolperte, blockte er mit seinem Stab die Hiebe ab. Danach kritzelte er ein imaginäres Zeichen vor sich. Schon wurde Artus herumgeschleudert und fiel. Nur durch seine ausgeprägte Körperbeherrschung konnte er der Niederlage entgehen.

Inzwischen war die Sonne bereits gewandert, und der Himmel hatte ein helles Blau angenommen. Auf den tiefgrünen Blättern der Wiesen waren keine Tropfen mehr zu entdecken. Von irgendwoher konnte man es bellen hören. Vielleicht waren es die Tiere leid, sich die Ruinen mit dem Krieger und dem Magier zu teilen.

Artus stemmte seine Füße in die Erde und setzte seine ganze Kraft in einen enormen Schlag, sodass sein Schwert wie ein Blitz durch die Luft sauste.

Merlin ließ die Kräfte der Natur in seinen Körper fahren und hielt seinen Stab schützend vor sich, sodass er jedem Angriff standhalten konnte.

So prallte Schwert auf Stab, und eine enorme Druckwelle raubte beiden Arkana die Macht weiterzukämpfen.

In diesem Moment streckte die Mutter der Kinder den Kopf in den Garten und rief ihnen zu, das Frühstück sei angerichtet. Und die Welt der Fantasie verschwand. Mit einem herzhaften Lachen ließen die Zwillinge ihre Spielzeugwaffen fallen und liefen auf das Haus zu, in Erwartung eines köstlichen Kakaos.


Wort mit fünf Buchstaben

Es tut weh, wenn man auf der Suche ist.

Nach etwas, oder jemandem. Man weiß nicht, wie man es findet. Wo man es findet. Wann man es findet. Man weiß nicht einmal, ob man es findet. Man kann sich nicht sicher sein, dass es auf einen wartet. Man weiß nur, dass es unglaublich wichtig ist. Und das schmerzt mehr als alles andere.

Ich würde gerne wissen, ob ich der einzige Mensch bin, der so empfindet. Von morgens nach dem Aufwachen bis abends vor dem Einschlafen denke ich daran. An dieses eine wichtige Etwas, von dem ich nicht weiß, was es ist. Eine bestimmte Person möglicherweise? Könnte es ein Ding sein? Ob es irgendein Ort oder irgendeine Zeit ist? Etwas, das es zu erledigen gilt?

Ohne es fühle ich mich leer, unvollkommen. Wie eine Person ohne Seele, ein Frühling ohne Blüten, ein Sommer ohne Wärme, ein Herbst ohne Wind, ein Winter ohne Schnee, eine fade Suppe, ein zähes Buch, eine langweilige Unterhaltung, wie eine Tätigkeit ohne Sinn sozusagen.

Und die Leute, die mit allem, was sie haben, unzufrieden sind? Haben sie nichts, wonach sie suchen? Oder haben sie es aufgegeben? Haben sie sich ablenken lassen? Sich einreden lassen, dass es falsch ist? Dass sie sich auf etwas anderes konzentrieren müssten? Sind sie vom eigenen Weg abgekommen, weil ihnen andere deren Weg aufgezwungen haben? Haben sie vergessen, was es heißt, zu suchen?

Vielleicht können wir es nicht finden. Vielleicht müssen wir gefunden werden. Wir müssen! Egal, welche Aufgaben wir bewältigen müssen. Egal, wohin wir gehen müssen. Egal, wie lange wir warten müssen. Egal, wie viele Gefühle wir durchleben und vergessen müssen. Wir dürfen es nicht missachten!

In mir befindet sich ein kleiner Funke, nichts anderes als die große Sternschnuppe da draußen, und das ist, was mich antreibt. Selbst in der finstersten Nacht hören die beiden niemals auf zu leuchten.

Sucht ihr nach Gesundheit oder nach Freiheit oder nach Arbeit oder nach Berufung oder nach Liebe, so wie ich? Alle sind mit Vorteilen und Nachteilen behaftet. Sie machen aus, was ich bin. Wie kann das gleichzeitig so bekräftigend und so ermüdend sein? Warum muss es sich so anfühlen?

Ich würde gerne wissen, ob ich der einzige Mensch bin, der so empfindet. Werden wir morgen noch nach etwas suchen? Haben wir gestern schon etwas gefunden? Man weiß nur, dass es unglaublich wichtig ist.

Es tut weh. Also sagt mir.

Wie fühlt es sich an?

Dieses eine Wort mit fünf Buchstaben!

Glück.


was ich bin und was ich tue

Ich bin ein Magier.

Ich lüge nicht; ich kann Magie wirken. Das bedeutet nicht, dass ich eine Pflanze herbeizaubern oder ein Tier verhexen kann. Aber ich kann Dinge tun, an die sich Menschen erinnern. Manch ein Wesen denkt vor dem Einschlafen, wenn es rastlos im Bett liegt und sich herumwälzt, an meine Taten zurück – und merkt plötzlich, wie wichtig diese eine kaum wahrnehmbare Tat gewesen ist.

Ich kann nicht verhindern, dass du Schmerz empfindest. Aber ich kann verhindern, dass Tränen fließen, indem ich dir zur Seite stehe. Ich kann nicht verhindern, dass du liebgewonnene Personen verlierst. Aber ich kann versuchen, ihre Funktion zu ersetzen, indem ich dir ein treuer Freund bin.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, stets die Wahrheit zu sagen. Das bedeutet nicht, dass ich niemals eine Notlüge erzähle. Und mit Sicherheit bewahre ich das eine oder andere Geheimnis für mich, sodass niemand je erfahren wird, was ich über dieses oder jenes denke. Aber ich habe den Unwahrheiten abgeschworen, weil sie mich zerstören. Aus diesem Grund werde ich dir sagen, was ich von dir halte.

Du bist perfekt. Vielleicht glaubst du mir nicht. Aber ich lüge nicht. Du hast in der Vergangenheit vermutlich schon einige Fehler begangen. Du wirst sicherlich auch in der Zukunft noch einige Fehler machen. Alleine die Tatsache, dass du etwas als Fehler empfindest, spricht dafür, dass du ein besserer Mensch sein willst. Lass die Ausreden sein, aber sei nicht zu streng zu dir. Gehe den Weg, den du dir ausgesucht hast, aber gehe ihn ohne Kompromisse, sonst verirrst du dich. Sei ehrlich zu dir selbst, denn nur so kannst du deine Träume Wirklichkeit werden lassen.

Du bist ein Teil des Ganzen; du bist alles. Das allwissende Universum hat dir drei Werkzeuge gegeben, um dir zu helfen, deine wahre Bestimmung zu finden. Lass dir von deinem Bauch sagen, was zu viel Anstrengung für dich ist. Fühlst du dich unwohl, ändere die Weise, wie du vorgehst. Lass dir von deinem Kopf sagen, welche Folgen deine Handlungen haben. Sei dir bewusst, dass viele Normen durchaus Sinn ergeben und mit welchen du brechen solltest. Lass dir von deinem Herz sagen, was zu tun ist. Wenn du ein Glücksgefühl empfindest, musst du es ergreifen. Sei stark genug, um zu überstehen, was nicht geändert werden kann. Sei weise genug, um zu erkennen, was nicht geändert werden kann. Und sei mutig genug, um zu verändern, was möglich ist.

Ich kann dich trotz oder sogar wegen deiner Fehler lieben. Das ist so ziemlich das einzige, was ich tun kann. Es ist nicht viel, aber vielleicht sogar das einzig wirklich Wichtige, meine ich. Also glaub mir, wenn ich diese eine Behauptung aufstelle, denn ich glaube fest daran.

Ich bin ein Magier.